Der perfekte Song

Ich erinnere mich nicht, wann Rap ein fester Bestandteil meiner umfassenden Musiksammlung geworden war. Seit Jahren schien es mir aber unverzichtbar geworden zu sein: ich sprach die Texte mit, bewegte Lippen und Körper geräuschlos zum Rhythmus in Bus und Bahn oder auf dem Nachhauseweg und tanzte zu dem Beat, den ich gerade hörte. Am liebsten waren mir Songs, die romantisch und melancholisch waren, langsam und berührend: so drückten die Texte meine Gefühle aus, und die emotional aufgeladenen Stimmen der Künstler begleiteten mich durchs Leben.

Ich hörte seine Stimme und war mir sofort sicher, dass mich der Klang einer Stimme, seiner Worte, niemals so berührt hat: Casper. Mit bürgerlichem Namen Benjamin Griffey, von der Öffentlichkeit oft belächelt als bei Teenager-Mädchen beliebter ,,Kuschelrapper” oder an den Mainstreamgeschmack angepasster ,,Pop-Rapper”. Für mich ist dieser Mann eine Personifizierung von allem, was mich die Musik und vor allem den Rap lieben lässt: Mit einer Authentizität folgt seine Raucherstimme den Worten vor melancholischen, rhythmischen Hintergrundtönen und hinterlässt ein Gefühl, das mitten ins Herz trifft.

Casper spricht von Leben, von Selbstzerstörung, von Trennung und Tod, von Familie und Freundschaft. Er singt über Einsamkeit, über Verlust und Sehnsucht, über Freiheit und Gewalt, über seine Kindheit und vor allem singt, rappt und schreit er von der Liebe mit einer rauen Ehrlichkeit, bei der ich Gänsehaut kriege. Es mag klischeehaft klingen, doch mit Kitsch haben seine Inhalte sehr selten zu tun.

Casper hat mittlerweile sieben Alben herausgebracht, als Individualkünstler oder in Kooperationen mit anderen. Unter anderem erhielt er einige Goldene Schallplatten für seine Werke.

Eine Freundin von mir sagte einmal, jeder hat einen Casper-Song, der sein Leben perfekt beschreibt. Ich hoffe, sein Erfolg und seine Musik werden für immer so weitergehen; er hat es verdient, unvergesslich zu bleiben. Seine Stimme, die seine Gedanken von Angst und Mut im Angesicht von Leben oder Tod so einzigartig beschreiben kann, ist schon unsterblich.