Musik und Politik

Musik hat wie kaum etwas anderes eine ungeheuer emotionale Macht. Sie kann Gefühle, Erinnerungen, Stimmungen und Atmosphären beeinflussen und hervorrufen. Daher ist Musik auch ein großer Teil politischer Motivation.

Ob bei Demonstrationen, Versammlungen, Konzerten oder Festen: Viele Songs werden explizit aufgrund ihrer politischen Message ausgewählt, geschrieben und gespielt. Schon vor tausenden von Jahren nutzten Menschen Gesänge, Sprachchöre oder Instrumente zur Begleitung wichtiger sozialer Veranstaltungen, wie Festivitäten, militärische Aufmärsche oder Zusammenkünfte mit Unetrhaltungszweck. Durch das Aufkommen von Demonstrationen wurde Musik dann auch ein politisches Werkzeug. Ein perfektes Beispiel dafür ist die Marseillaise, die kurz nach der französischen Revolution zur Nationalhymne erklärt wurde und die Bürger Frankreichs zu den ,,Waffen für den Freiheitskampf” ruft.

Noch vor der Friedensbewegung in den USA in den 1960er-Jahren wurden bestimmte Lieder zu Protestzwecken genutzt, beispielsweise von nationaler und lokaler Tradition geprägte Musikstücke in kolonial besetzten Gebieten. Auch die in den Widerstandsbewegungen, Partisanengruppen, aber auch in Gefangenenlagern während des Zweiten Weltkrieges entstandenen Lieder gelten noch heute als Inbegriff von Gerechtigkeitsstreben und Freiheitsliebe. Doch durch die große Bedeutung, die die Stimmung der Bevölkerung während und nach des Vietnamkrieges spielte, wurden Protestsongs allgegenwärtig und der ganzen Bevölkerung ein Begriff.

Nicht nur Kriegszustände, sondern auch generelle soziale Ungerechtigkeiten wie Armut, Diskriminierung, und Missstände in der Umweltpolitik wurden in den oft von Folksängern und im psychedelischem Pop produzierten Songs thematisiert. Die Wirkungskraft von Musik wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen führt, wie bekannt und beliebt manche Stücke aus dieser Zeit heute noch sind. Auch wird sich bei Demonstrationen des 21. Jahrhunderts ebenfalls dem breiten Repertoire an Friedens- und Protestliedern bedient. Ist ein Song oder ein bestimmter Künstler erst einmal zu einem ikonenhaften Symbol des sozialen Widerstands und der Zivilcourage geworden, geraten sie nicht so schnell in Vergessenheit.

Die große Emotionalität von Musik wird so der Masse der Bevölkerung vermittelt; auch Menschen, die mit Politik wenig zu tun haben, werden dadurch angesprochen, berührt und motiviert.